Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik

In diesem Fachgebiet geht es um die wissenschaftliche Reflexion von Prozessen religiöser Sozialisation, Erziehung und Bildung. Dabei stehen der Islam in seinen vielfältigen Ausprägungen als Religion und Kultur sowie muslimische Lebensstile im Fokus pädagogischer Fragestellungen. In einem weiter gefassten Sinne verweist das zunächst auf bildungswirksame Strukturen und ihre Funktionen im Kontext der Zivilgesellschaft, in denen Muslime bzw. der Islam als Thema vorkommen, also insgesamt in gesellschaftlichen Segmenten, in denen bildungstheoretische und bildungssoziologische Fragestellungen aufgeworfen und an Fragen von Religion und Religiosität gespiegelt werden können. Die Theorien der Erwachsenenbildung, der Bildungsbiografie und der Pädagogik der hohen Lebensalter werden ebenso berücksichtigt wie das Thema Gemeindepädagogik.

In einem enger gefassten Sinne berücksichtigt dieses Themengebiet das pädagogische Handeln in formalen Bildungskontexten mit jungen Muslimen als dezidierter Zielgruppe, beispielsweise im islamischen Religionsunterricht als Fach an der öffentlichen Schule. Zu den Aufgaben einer islamischen Fachdidaktik als Wissenschaft der methodischen Gestaltung von Unterricht gehört es, die Begegnung zwischen dem Islam als Unterrichtsthema und den muslimischen Schülern sinnvoll zu arrangieren. Von Interesse sind deshalb auch Theorien des religiösen Lernens mit Bezug zum Islam.

Die Regelleitung des unterrichtlichen Lernarrangements kann auf miteinander korrespondierende, in Teilen aber auch konkurrierende Horizonte bezogen sein, die auf jeweilige Bezugswissenschaften für die interdisziplinäre Kooperation deuten: die Normativität des Islams in seinen unterschiedlichen Lehrtraditionen, der grundrechtlich geregelte Anspruch unterschiedlicher religiöser Gemeinschaften auf Etablierung bestimmter Inhalte, Fragen der Glaubensnatur und der Anthropologie, die religionspädagogische Theoriebildung, die heterogenen Lebenswelten heranwachsender Muslime oder die Rahmenbedingungen von Bildung als gesellschaftlicher Kulturaufgabe.

Schließlich werden die besonderen Chancen des Lernorts Schule thematisiert, der die Begegnung mit Schülern anderer Bekenntnisse bzw. denjenigen ohne formale Religionszugehörigkeit ermöglicht. Zu den Forschungsanliegen gehört deshalb auch die Frage, inwieweit ein bekenntnisorientierter Religionsunterricht bzw. alternative Unterrichtsformen zur Einübung und Reflexion eines angemessenen interreligiösen Dialogs im Klassenzimmer und darüber hinaus führen können.